
Am Freitag, den 9. Juni, Presse-Termin, Foto: Peter Jalufka, Grevener Zeitung
Oben, von links: Sven Turley, Wilm Brüning, Gabriele Schlamp, Anja Rohlf
2. Reihe, von links: Wolfgang Gaertner, Siglinde Waterkamp, Dore Miething, Annegret Evers-Wulff, Dagmar Schüngel
Unten, von links: Bodo Treichler, Claude Cuntz, Andrea Brandt, Helga Fremmer, Angelika Kinscher, Reinhold Bühner
Ein
Haus der Kunst

Greven - Von einem
alten Haus, in dem viele Künstler unter einem Dach
arbeiten und sich austauschen, davon hatte die Münsteraner
Künstlerin Claude Cuntz (1949 in Paris geboren) schon immer
geträumt. Jetzt hat sie diesen Traum in die Tat umgesetzt, sie
hat die ehemalige Aldruper Volksschule
(1900-1968) gekauft und dort das Atelier "Alte
Schule" eingerichtet.
"Ich war sofort
verliebt in das Haus, die Aa, die Ruhe hier; alles ist einfach
traumhaft", beschreibt sie ihre erste Begegnung mit der früheren
Lehranstalt, die jetzt zum Musentempel umfunktioniert werden soll.
Jahrelang hat das Haus neben der Gaststätte "Zum Aatal"
leergestanden, ziemlich "marode" ist es derweil geworden,
aber das wird sich schnell ändern.
Maler und Bildhauer
Am Haus wird gewerkelt
Leben erfüllt es, denn bereits alle Räume im Untergeschoss
sind vermietet, an Graphiker, Stein- und Holzbildhauer sowie Maler
und Zeichner.
Sie alle werden
zukünftig im Atelier "Alte
Schule" arbeiten. Wen es interessiert, was diese Künstler
so machen, der kann ruhig mal hereinschauen, den künstlerischen
Entstehungsprozess beobachten und sich mit dem Künstler
unterhalten, fordert Cuntz
auf.
Kurse und Workshops
für Radierung, Stein- und Holzbildhauerei sowie in Zeichnen und
Malen wird es geben und die an dem Projekt beteiligte
Kunsthistorikerin Anja Rohlfs wird Vorträge über die Werke
von Friedensreich Hundertwasser und Niki de Saint Phalle sowie Gaudi
halten.
Pläne und Risiken
Jeden dritten Mittwoch
ist ein Kunst-Kolloquium vorgesehen, wo man mit Gleichgesinnten über
eigene Werke sprechen kann. Für Sonntag, 9. Juli, ist ab 11 Uhr
ein Tag der offenen Tür geplant, am 1. Oktober soll ein
Kunstflohmarkt starten. Und es gibt noch mehr Ideen. Doch Claude
Cuntz weiß auch um die Risiken. "Von Kunst kann man nicht
leben", sagt sie mit Bedauern und was sie an Miete bekommt, das
deckt gerade die Nebenkosten. Aber das Wissen um das Wagnis tut ihrer
Begeisterung keinen Abbruch.
Sie will mit ihren
Veranstaltungen, Vernissagen und Events, das Umland für Kunst
gewinnen. Und dann schwärmt sie für ihren Garten: Da haben
Bildhauer "Platz zum richtig Hauen auf den Stein". - jp
Samstag, 10. Juni 2006
| Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
Ein
bisschen Worpswede in der Aatal-Schule
-meg-
Greven. Ein bisschen Worpswede im Aatal? Eine Künstlerkolonie,
die noch Generationen später fasziniert? Das ist ein bisschen
gewagt, aber man soll nichts ausschließen, sagt Bodo Treichler.
Er gehört zu den zehn Künstlern, die jetzt in die alte
Schule im Aatal eingezogen sind. Die Malerin Claude Cuntz hat das
Gebäude von 1898 gemeinsam mit ihrem Mann gekauft. Die
Nebenräume wurden in Ateliers verwandelt, für die Bildhauer
gibt es Platz in einer alten Lagerhalle, die beiden Klassenzimmer
wurden zu Unterrichts- und Ausstellungsräumen umfunktioniert. Es
war immer mein Traum, ein Haus, ein Dach zu haben, wo Künstler
arbeiten können, aber wo es auch ein Wohnzimmer, eine Küche
gibt und Räume zum Ausstellen, erzählte Claude Cuntz
gestern bei einem Pressegespräch. Sie hat den Traum ihrer
Krankengymnastin erzählt und die wusste von der alten Schule:
Ich habe mich sofort verliebt, gesteht die Künstlerin. Es
wurde eine kostspielige Liebe. Ich habe das Wort marode gelernt, sagt
die gebürtige Französin, die eigentlich Linguistin ist,
augenzwinkernd. Neun Mieter hat sie bereits gefunden Renate Dorstel,
Marianne Knöpfel, Bruni Menting, Hermann Müller, Regine
Papritz, Christof Schaffrath, Diane Schleß, Bodo Treichler und
Sven Turley haben dort künftig ihren Arbeitsmittelpunkt. Ein
bisschen unsicher sind wir, ob das klappt hier im Grenzraum zwischen
Münster und Greven, sagt Treichler. Denn die meisten Neu-Aatäler
sind doch eher in der Westfalen-Metropole verwurzelt, der Grevener
Kunstturm ist den wenigsten ein Begriff. Aber das wird sich
entwickeln, ist Claude Cuntz sicher. Denn im Atelier Alte Schule sind
Besucher hoch willkommen zu den ständigen Ausstellungen als
Schüler für die Mal-, Bildhauer- und Radierungskurse, zu
kunsthistorischen Vorträgen oder auch einfach auf einen
Schwatz. Zunächst aber sind die Grevener zur Eröffnung
eingeladen. Am Samstag, 17. Juni, wird ab 15 Uhr gefeiert. Die
Kunsthistorikerin Anja Rohlf wird eine Einführung geben, 43
Künstler zeigen Arbeiten, das Kabarett Die Sti(e)lmusen gibt
eine Kostprobe seines Könnens, und das Vocalquartett Wenn Vier!
wird gute Laune zaubern. Und jene Grevener, die diesen Termin
verpassen sollten, dürfen gerne später wiederkommen: Am 9.
Juli ist Tag der offenen Tür, und am 1. Oktober gibt es einen
Kunstflohmarkt. Denn natürlich wollen die Künstler im Aatal
Ruhe und Muse finden, aber ganz viel Wert legen sie auf Austausch
auch aus recht handfesten Gründen. Ein Künstler muss auch
leben, und deshalb braucht er Leute, die sich für seine Arbeit
interessieren und kaufen, sagt Treichler. Aber natürlich sind
ihm Austausch, Diskussion, Anregung ebenfalls wichtig. Also wer weiß
vielleicht gibts doch bald ein bisschen Worpswede im Aatal?
Infos:
www.aaschule.de
Samstag, 10. Juni 2006
| Quelle: Westfälische Nachrichten (Greven)
Die Traumerfüllerin
Claude Cuntz kauft eine Schule und gibt der Kunst ein neues Heim
Von Claudia Bakker
Münster / Greven. „Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt.“
Claude Cuntz kann vor Begeisterung die Hände gar nicht stillhalten und
schafft es leicht, jeden im Raum davon zu überzeugen, dass ihre Idee
die einzig wahre ist. Zusammen mit ihrem Mann ging die Künstlerin das
Wagnis ein, sich ein altes, marodes Gebäude „ans Bein zu binden“, nicht
wissend ob das „Atelier Alte Schule“ zwischen Münster und Greven
jemals einen Cent von dem Geld, das die beiden investieren müssen,
abwerfen wird.
„Ich glaube an Claude und daran, dass das Projekt gelingt“, bekommt Cuntz
Unterstützung von Bodo Treichler. Und der weiß wovon er spricht:
„Ich bin mit einem ähnlichen Projekt schon mal baden gegangen“,
gibt der Bildhauer aus Kinderhaus zu. Ohne ihn, sagt Cuntz,
hätte sie diesen Schritt auch nicht gewagt. Er ist einer von
zehn Künstlern aus Münster und dem Münsterland,
die im Aatal ein neues Zuhause gefunden haben und an der Erfüllung
des Cuntzschen Traums mitwirken wollen.
Dazu gehört auch, dass sie sich von Besuchern über die Schulter schauen
lassen und jederzeit geduldig Fragen beantworten sollen. „Ich möchte einen
Ort schaffen, an dem jeder Kunst angucken und anfassen kann.“
Und einen, an dem „die Bildhauer so richtig auf die Steine hauen können“,
lacht sie. Überhaupt lacht die gebürtige Französin bei der Vorstellung
ihres Lebenstraums viel und herzlich. Sich hat sie schon glücklich gemacht.
Jetzt geht es darum, dieses Glück mit Künstlern und Besuchern zu teilen.
▷ Die „Akademie Alte Schule“ wird mit einem Tag der offenen Tür am kommenden
Samstag (17. Juni) eröffnet. Ab 15 Uhr stellen die Künstler ihre Arbeiten vor.
Unterstützt werden sie dabei von den „Sti(e)lmusen“ (Kabarett) und dem
Vocalquartett „Wenn Vier!“. Weitere Infos im Netz unter der Adresse www.aaschule.de
(erschienen 14. Juni, Hallo Münster)
Das
Projekt schließt eine Lücke in Greven
-tst-
Greven. Kunsthistorikerin Anja
Rohlf hatte gerade zu ihrer Eröffnungsrede angesetzt, da kam es
zu einer fast symbolischen Begegnung zwischen Kunst und Kultur im
ländlichen Raum. Denn begleitet von den Klängen des
Spielmannszuges zog der Schützenverein Aldrup an der
Aatal-Schule am Aldruper Brink vorbei und sorgte so für eine
kleine Zwangsunterbrechung, die aber eher für Heiterkeit denn
für Unmut unter den Eröffnungsgästen sorgte. Denn
irgendwie passte das zufällige Zusammentreffen zum Ort des
Geschehens, der auch ein Stück des früheren ländlichen
Lebens in der Bauerschaft Aldrup widerspiegelt. Den Ausführungen
der Kunsthistorikerin zur Geschichte des 1898 erbauten Gebäudes
hatte der stellvertretende Bürgermeister Willi Meibeck noch
einiges hinzuzufügen. Schließlich hatte er selbst als
Volksschüler für kurze Zeit hier die Schule besucht, als
sich der Bau der Mariengrundschule verzögert hatte. Für
mich war es die Schlagzeile der Woche, als ich in der Zeitung las,
dass hier ein bisschen Worpswede entstehen soll, freute sich Meibeck,
der selbst häufig Worpswede besucht, ganz besonders über
das Projekt. Greven hat vor allem dank der Kulturinitiative und dem
Verein Kunstturm eine intakte Kulturstruktur, aber das Projekt
schließt eine Lücke, so Meibeck, der damit vor allem auf
die Kurse und Workshops Bezug nahm, die hier angeboten werden. Doch
auch wenn es sich um ein ehemaliges Schulgebäude handelt, mit
Schule hat das, was hier zukünftig stattfinden soll, wenig zu
tun. Es gibt keine Zeugnisse und keine Öffnungszeiten, sagte
Malerin und Initiatorin Claude Cuntz, die, wie berichtet, das Gebäude
gekauft hat, das derzeit von neun Künstlern genutzt wird. Sie
verglich den aktuellen Zustand eher mit einem Ameisenhaufen. Kein
Wunder, schließlich hatten nicht weniger als 42 Künstler
unterschiedlichster Stilrichtungen und Techniken Beiträge zu der
Ausstellung geleistet, die seit der Eröffnung am Samstag in den
Räumen und im angrenzenden Freigelände zu sehen ist. Die
zahlreichen Eröffnungsbesucher, den Autokennzeichen nach
vielfach aus Münster angereist, zeigten sich begeistert von den
Räumlichkeiten. Doch auch aus der direkten Nachbarschaft und aus
Greven waren Neugierige vor Ort, um Kunst an einer Stelle zu
betrachten, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Und wer die
Eröffnung verpasst hat, bekommt schon bald die nächste
Gelegenheit zum Reinschnuppern. Am 9. Juli ist Tag der offenen Tür
im Atelier Alte Schule.
Montag,
19. Juni 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten
(Greven)
Alte
Schule, neue Kunst

Greven - Von
der Idee bis zur Fertigstellung des Ateliers. Diesen Weg skizzierte
Initiator Claude Cuntz in der "Alten Schule".
Rund
150 Kunstinteressierte konnte Cuntz am Samstag im Rahmen der
Eröffnung begrüßen. Die Kunsthistorikerin Anja Rohlf
nannte den Besuchern Eckdaten rund um die alte Schule in Aldrup und
schilderte Anekdoten aus dem damaligen Schulalltag, die ihr ehemalige
Schüler verraten hatten.
Zu
den ehemaligen Schülern, wenn auch nur für eine
Übergangszeit, gehört auch der stellvertretende
Bürgermeister Willi Meibeck, der als Vertreter der Stadt Greven
lobende Worte für das Atelier fand. "Ich bin mir sicher,
dieses Projekt wird gelingen", mit diesen Worten durchschnitt er
das Band am Eingang und die Räumlichkeiten waren für die
Besucher freigegeben. Zur Eröffnung waren in den Räumen der
alten Schule Werke von 42 Künstlern ausgestellt, darunter auch
die Künstler, die bereits ein Atelier dort angemietet haben. -
akr
Montag,
19. Juni 2006 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
Wieder
Leben in der Schule
 -mg-
Greven. Langsam verschwindet Linas Hand unter einer erdbeerroten
Masse. Wird`s schon ein bisschen warm? Gabriele Schlamp versenkt
vorsichtig dünne Gewebestreifen auf dem kleinen roten Hügel,
der sich vor ihr auf der mit Plastikfolie bedeckten Tischplatte
wölbt. Ne, es kitzelt nur ein wenig, sagt Lina ganz tapfer und
hält weiter still. Neugierig sehen sich ein gutes Dutzend
interessierter Zuschauer die Körperformung einer Kinderhand an,
die die Künstlerin Gabriele Schlamp in der offenen Garage des
Ateliers Alte Schule im Aatal am Model Lina erklärt und sofort
ausführt. Jetzt kommt eine spezielle, natürliche Gipsmasse,
die sich über die erste Schale legt, sagt Gabriele Schlamp,
rührt in einem kleinen Topf verschiedene Zutaten miteinander an
und lässt unter breiigem Grau das Erdbeerrot verschwinden. Das
Aushärten braucht nun ein wenig Zeit, verkündet die
Künstlerin und lacht Lina aufmunternd an. Klar, Model Lina
muss sitzen bleiben, des Handabdrucks wegen. Alle anderen Besucher
des Ateliers Alte Schule nutzen die Zeit, um sich beim Tag der
offenen Tür weiter umzusehen in den Räumlichkeiten, die
Künstler verschiedener Kunstrichtungen mit neuem Leben erfüllen.
Im hinteren Bereich der Garage ist es Bruno Treichel, der an seinen
Skulpturen arbeitet und sich von kleinen und großen Zuschauern
gern über die Schulter schauen lässt. Ihre Malateliers
haben wie Diane Schleß und Regine Papritz weitere Künstler
geöffnet. Das Publikum ist ganz gemischt beim ersten Tag der
offenen Tür, den Claude Cuntz mit ihren Künstlern in
der Alten Schule an der Aa am vergangenen Sonntag organisierte.
Schön, dass hier eine solche Künstlerkolonie entstehen
kann, loben die einen das Projekt. Schön, dass endlich wieder
Leben einkehrt in die Schule, freuen sich insbesondere die Bewohner
der Bauerschaft Aldrup, die die Gelegenheit nutzen, durch das alte
Schulhaus zu bummeln. Zehn Minuten Zeit für Lyrik? Christina
Petters (Academie Blue) trägt im Wohnzimmer, dem
Kommunikationszentrum des Kunsthauses, eigene Werke vor und findet
ein interessiertes Publikum. Und was macht Linas verborgene Hand?
Die Massen sind ausgehärtet. Langsam schält Gisela Schlamp
den Abdruck von der Modelhand, die nun weiter ausgegossen wird:
Tatort Kunst in der Aatal-Schule. Auch in Zukunft wird sich die Alte
Schule für Besucher öffnen. |www.aaschule.de
Dienstag, 11. Juli 2006 | Quelle: Westfälische
Nachrichten (Greven)
Ich
bin eine Menschenmalerin

-tst- Greven. Wenn Claude Cuntz von den Stationen ihres
Lebensweges erzählt, hat man am besten immer den Finger auf der
Landkarte. Geboren in Paris, geheiratet nach Heidelberg, von da nach
Berlin mit Zwischenstation in Bielefeld, USA, Marseille, wieder
Heidelberg und irgendwann Münster. Steckt der unruhige Geist
einer Künstlerin hinter dieser Rastlosigkeit? Das weniger. Es
sind die vielmehr Stationen der Uni-Karriere ihres Mannes, seines
Zeichens Mathematikprofessor. Mathematik hat auch Claude Cuntz
studiert, damals in Paris, als sie ihren Mann traf. Später lernt
sie noch Bibliothekarin. Doch wer einen malenden Großvater hat
und, wie sie sagt, mit Benzin in der Nase aufgewachsen ist, den lässt
die Malerei nicht los. Aus dem Hobby wird eine Leidenschaft, die aber
lange durch drei Söhne im Zaum gehalten wird. Ende der 1980er
Jahre dann ein Bruch, der für ihre künstlerische Laufbahn
zum Durchbruch wird. Ich hatte mein Leben in Südfrankreich
eingerichtet, sagt Cuntz. Die Kinder sind ganztags betreut,
sie hat Zeit für ihr Hobby und arbeitet als Bibliothekarin. Doch
ihren Mann zieht es zurück nach Heidelberg. Jetzt war ich durch
die Kinder wieder blockiert, sagt sie. Du malst doch so gern, lern
das doch mal richtig, rät ihr Mann. Malen lernen, das heißt
im etwas provinziellen Heidelberg: Kurse bei der VHS belegen, und
zwar rauf und runter, wie Cuntz sagt. Dort eignet sie sich das
Handwerkszeug an. Danach geht sie in die Lehre bei Künstlern wie
Pjotr Skroban oder Glyn Forster. Claude, jetzt kann ich dich nur noch
zwingen, so zu malen wie ich, sagt der ihr irgendwann. Zeit also, den
eigenen künstlerischen Weg zu gehen. Ich bin eine
Menschenmalerin, sagt Claude Cuntz über sich selbst. Akt
und Portrait sind ihre Lieblingsthemen. Und die Verbindung von Musik
und Malerei. Ich habe Farben gehört und Töne gesehen bei
einem Stück des Komponisten Oliver Messiaen entwickelt sich das
Verlangen, Musik in Malerei umzusetzen. Seit 1999 lebt Claude
Cuntz in Münster. In ihrem Atelier Catoptrale gibt sie
auch Kurse, obwohl die Räumlichkeiten zu beengt sind. Dann hört
sie von der alten Schule in Aldrup und verliebt sich sofort in das
Gebäude die Idee des Ateliers Alte Schule, in dem mehrere
Künstler unter einem Dach vereint sind, ist geboren. Hier
bereitet sie sich gerade auf einen Kurs zum 100. Todestag von Paul
Cézanne im Oktober vor. Auf einem Tisch liegen Äpfel und
Birnen, die Modell für ein Stillleben sind. Bei Portraits ist es
mit den Modellen nicht so einfach. Da ist Claude Cuntz immer
auf der Suche. Wer zwei Mal drei Stunden für mich sitzt, bekommt
dafür die Bleistiftskizzen und ein paar Groschen, sagt sie.
Vielleicht nicht die schlechteste Möglichkeit, Claude Cuntz
und ihre Alte Schule kennen zu lernen.
Mittwoch, 12. Juli 2006 | Quelle: Westfälische
Nachrichten (Greven)
Köpfe sind sein Lieblingsthema

-tst- Greven. Vor dem Gespräch muss Bodo Treichler seine Arbeit erst einmal
in nasse Tücher bringen. Nasse Tücher? Ich fertige gerade die Tonskizzen
für eine Skulptur an. Damit der Ton elastisch bleibt, muss er feucht gehalten
werden, klärt der Mann mit dem Strohhut.
Bei seiner Arbeit strahlt er Ruhe aus. Das war nicht immer so. Die Malerei
war als Jugendlicher für mich eine Ausdrucksform, um Frust los zu werden,
blickt Treichler nicht im Zorn zurück auf seine künstlerischen Anfänge.
Damals lebte der 1943 in Köthen/Anhalt geborene Treichler in Bielefeld,
wo er die ersten Kontakte mit dem Westfälischen machte. Geprägt hat ihn
aber Berlin, die Stadt seiner Kindheit. Ich bin zwischen Ruinen aufgewachsen,
erinnert er sich. Die Malerei reichte ihm als Ausdrucksmittel bald nicht mehr.
Ich brauche das Dreidimensionale, erklärt der Bildhauer Treichler, der mit
Maschinenschlosser auch ein ordentliches Handwerk gelernt hat. Er ist kein
unpolitischer Künstler, wie seine Mitgliedschaft in der Berliner Künstlergruppe
Rote Nelke Anfang der 70er Jahre belegt. Es war kunstmäßig eine spannende Zeit,
erinnert er sich an den damaligen Konflikt zwischen realistischen und abstrakten
Ausdrucksformen. Seine heutige Richtung bezeichnet er als Glokalismus, ein Begriff,
der auch im Wörterbuch der New Economy zu finden ist. Für Treichler
umschreibt es den Widerspruch zwischen lokalem Denken und globalem Sein.
Ein Beispiel gefällig? Fotos von Michael Jackson finden sich sowohl im
afrikanischen Kral wie auch im Iglu eines Eskimos sagt Treichler.
Wenn man diese Widersprüche künstlerisch darstellen will, ist man
schnell beim Mensch als Grundlage. Und da sich das lokale Denken
nun mal im Kopf abspielt, sind Köpfe sein bevorzugtes Sujet.
Köpfe, die zumeist in Stein gehauen sind. Zwar arbeitet Treichler auch
mit Holz, aber für ihn ist es nur ein Nebenmaterial. Er probiert gern
unterschiedliche Steine aus, ohne sich als Steinfetischist zu sehen.
Zusatzmaterialien wie Metall oder Keramik setzt er bewusst als Artefakte
ein, die die Spannung erhöhen. Oft arbeitet er an mehreren Werken parallel.
Dann kann ich zwischendurch Distanz gewinnen und mich anschließend wieder
frisch darauf einlassen.
Zusammen mit Claude Cuntz war Bodo Treichler die treibende Kraft beim Aufbau
des Künstlerateliers Alte Schule. Die Lage zwischen Münster und Greven im alten
Aldruper Schulgebäude findet er durchaus reizvoll. Bisher sind wir noch stärker
in Richtung Münster orientiert, aber Greven ist eine Herausforderung für uns,
sagt Treichler und befreit seine Tonskizzen wieder von den nassen Tüchern.
Mittwoch, 26. Juli 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Greven)
Harte Arbeit am weichen Stein

-tst- Greven. Das harte Brot des Künstlers. An dem haben schon unzählige Künstler
geknabbert, die weitaus bekannter sind als Sven Turley. Mit 34 Jahren ist der
Steinbildhauer der jüngste in der Künstlerriege im Atelier Alte Schule. Zu Reichtum
und Berühmtheit ist er noch nicht gekommen. Doch vom Klischee des armen unverstandenen
Künstlers ist er noch viel weiter entfernt. Dafür macht ihm das, was er tut,
offensichtlich viel zu sehr Spaß.
Er sieht die Sache pragmatisch. Eine Halbtagsstelle in einem Steinmetzbetrieb
als Grundlage wäre nicht schlecht, sagt Turley, der in einem Betrieb in Billerbeck
seine Lehre als Steinbildhauer gemacht hat. Doch der Branche geht es nicht gut,
deshalb muss er sich freiberuflich über Wasser halten. Ich beschäftige mich
künstlerisch zwar gern mit dem Sein und der Seinswerdung, aber ohne Haben geht
es eben auch nicht, lautet Turleys Erkenntnis. Was für ihn bedeutet, dass er
neben der Kunst auch das Kunsthandwerk betreibt. Ein Problem hat er damit nicht.
Zumal er Anfang nächsten Jahres Vater wird und mehr Verantwortung tragen muss.
Auch Routine schreckt ihn nicht. Ich kann mich bei etwas gleichförmigen
Tätigkeiten gut entspannen.
Die Arbeit an einer Skulptur fordert mehr, ist für ihn Auseinandersetzung mit mir
selbst. Mit wechselnden Intensitäten. Mal wird der Stein grob behauen, mal ist es
eine zärtliche Annäherung. Die Themen findet er durch Reflexion über sich und seine
Umwelt. Für die Umsetzung hat er sich einen Werkstein ausgesucht, der als weich
und leicht zu bearbeiten gilt, den Baumberger Sandstein. Anstrengend ist es trotzdem,
denn auch ein weicher Stein bleibt ein Stein, sagt Turley fast ein wenig trotzig.
Demnächst will er sich auch an Holz versuchen. Allein der Geruch ist toll.
Außerdem staubt es nicht. Mit Christof Schaffrath arbeitet ein Holzbildhauer
in der Schule, bei dem er sich Tipps holen kann. Solchen Austausch schätzt
Turley ganz besonders. Aber auch sonst fühlt er sich ausgesprochen wohl im
Aatal. Das könnte mein zweites Zuhause werden.
Für die Zukunft plant er Kurse für Eltern und Kinder, auch eine kleine Reminiszenz
an seine frühere Tätigkeit als Altenpfleger und Erzieher. Doch erst einmal muss er
kunsthandwerkliche Figuren für den Museumsladen im Sandsteinmuseum in Havixbeck
fertigen. Keine große Kunst, eine Auftragsarbeit etwas für das tägliche Brot.
Donnerstag, 03. August 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Greven)
Viel Kunst in der alten Aldruper Schule
Greven - Mit einer Kunstausstellung am heutigen Samstag ab 15 Uhr will
das Atelier "Alte Schule" in Aldrup wieder auf sich aufmerksam machen.
Unter der Überschrift "6+1 Malerei" stellen sieben Mitglieder des Kunstkreises
Spektrum 88 aus Rheine in der alten Schule ihre Werke aus. Für die musikalische
Untermalung sorgt Sven Turley auf dem Didgeridoo (Musikinstrument der
australischen Ureinwohner). Hingewiesen wird zudem auf eine weitere Ausstellung,
die am Samstag, 4. November, ebenfalls ab 15 Uhr im Atelier zu sehen sein wird.
Christel Hoffmann-Hut verschafft dann "Einblicke - Ausblicke" mit ihren Werken.
Am Donnerstag, 14. September, setzt die Kunsthistorikerin Anja Rohlf ihre
Vortragsreihe über Hundertwasser fort, diesmal geht es um die Architektur.
Am Donnerstag, 5. Oktober, hat sie Leben und Werk der französischen
Künstlerin Niki des Saint-Phalle zum Thema; am Donnerstag, 2. November,
folgt dann deren Tarotgarten.
Um den spanischen Architekten Gaudi geht es am 7. Dezember (Donnerstag).
Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Folgende Kurse stehen zu Buche: Radierung
bei Hermann Müller, donnerstags von 18.30 bis 21 Uhr. Steinbildhauerei
mit Bodo Treichler, mittwochs vom 4. Oktober bis 14. Dezember. Beim selben
Künstler gibt es Holzbildhauerei immer donnerstags vom 5. Oktober bis zum 14.
Dezember. Zeichnen und Malen lernt man bei Claude Cuntz, montags
von 15 bis 21 Uhr und mittwochs von 9 bis 12 Uhr. - jp
Samstag, 02. September 2006 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
Die Kunst von Niki de Saint Phalle

Greven - Leben und Werk der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle
sind das Thema des dritten Diavortrags in der "Aa-Schule", dem Künstlerhaus
in Aldrup. Der Vortrag der Kunsthistorikerin Anja Rohlf beginnt am heutigen
Donnerstag, 5. Oktober, um 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro pro Person.
Die fülligen bunten Nana-Figuren gehören zu den bekanntesten Werken von
Niki de Saint Phalle. Drei davon stehen zum Beispiel in Hannover an der Leine.
Ein architektonisches Gesamtkunstwerk der Künstlerin steht in der Toskana:
Münster und Greven, das in diesem Sommer seine Türen für Künstler und
Kunstinteressierte geöffnet hat.
Donnerstag, 05. Oktober 2006 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
Phantastisch wie real

Greven. Die Ausstellung Einblicke Ausblicke von Christel Hoffmann-Hut im Atelier
Alte Schule in Aldrup wird morgen um 15 Uhr eröffnet. Die Auswahl der Werke zur
aktuellen Ausstellung erstreckt sich auf Arbeiten eines längeren Zeitraumes.
So erhält der Betrachter einen Einblick in das künstlerische Schaffen und sieht
den Dialog mit den Themen in verschiedenen Techniken. Die Wandlungen in Ausdruck
und Technik und die Wiederaufnahme und Neuinterpretation von Themen laden ein,
einen Ausblick auf das künftige Schaffen zu wagen.
In einer Pressemitteilung heißt es: Auch thematisch finden sich Einblicke und
Ausblicke. Der Blick ins Detail und der Ausblick in die Ferne von Raum und Zeit.
Und es wird ein Bogen gespannt: Zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Umwelt.
Landschaften und Blüten aufgenommen mit dem inneren Auge, entdeckt auf Reisen.
Häufig sind dies Reisen in die Literatur und in die Musik. Phantasie und Realität
verschmelzen zu neuer Bildhaftigkeit, zeigen die Stimmung, den Charakter und die
Farbigkeit der Welten. Im Kleinen als Blüte, Blume oder Pflanzenteil, als Maserung
im Gestein oder als Lichtspiel im Bachlauf, im Großen als weite Landschaft, die jedem
einzelnen Betrachter einen ganz persönlichen Zugang offen hält. Landschaften so
phantastisch wie real, so real wie phantastisch Orte der Abgeschiedenheit.
Landstriche, die zumeist unberührt sind durch den technischen Eingriff des Menschen.
So sind die gerade Linie und das Winkelmaß eher seltene Bildelemente.
Es dominieren die organischen Formen der Natur, geformt durch Wasser und Wind
und durch die inneren Kräfte des Planeten. Die schöpferische Farbgebung in der
Natur wird hier Bestandteil der Malerei. Eine Farbgebung, die derart nuanciert
und facettenreich heute nicht häufig ist. Zudem räumt die Malerin dem Bild die
Zeit ein, sich zu entwickeln und zu wachsen. Das Bild bekommt Tiefe und Lebendigkeit
und selbst ein ödes Stück sonnenverbrannter Wüste lebt und atmet.
Die Malerin Christel Hoffmann-Hut wurde 1952 in Münster geboren und hat dort 1971
die Lehre als Schauwerbegestalterin abgeschlossen. Nach dem Abitur 1974 am
Westfalen-Kolleg folgte in Bielefeld die erste öffentliche Ausstellung. 1976
Umzug nach Berlin und Studium an der TU. Seit 1992 ist Christel Hoffmann-Hut
ausschließlich als Malerin tätig.
Freitag, 03. November 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Greven)
Frida Kahlo begeistert und schockiert

Greven - Das neue Jahr ist noch jung, doch schon starten wieder die Diavorträge
im Atelier Alte Schule. Am Donnerstag, 11. Januar, um 19 Uhr bestreitet die
Münsteraner Kunsthistorikerin Anja Rohlf den Abend.
Unfassbare Schmerzen
Nach Friedensreich Hundertwasser, Niki de Saint-Phalle und Antonio Gaudi ist
wieder eine Künstlerin des 20. Jahrhunderts an der Reihe: Die mexikanische
Malerin mit europäischen Wurzeln Frida Kahlo, die spätestens seit dem
Kinofilm "Frida" fasziniert . Wie auch Niki de Saint Phalle verarbeitet
Frida Kahlo mit ihrem Werk die unfassbaren Schmerzen, die sie nach
Kinderlähmung und einem Unfall begleiteten.
Ohne Hemmungen malt sie sich alles von der Seele, wodurch wunderbare wie
schockierende Werke entstanden sind. Verheiratet war die Malerin mit dem
in den 1920er Jahren weltweit bekannten Maler Diego Rivera. Doch auch an
seiner Seite hat sie sich immer ganz selbständig entwickelt. Die Folge:
Frida Kahlo ist heute weit bekannter als ihr Mann.
Diavortrag: - Atelier Alte Schule, Aldruper Brink 33, An der B 219 zwischen
Münster-Sprakel und Greven, Eintritt: 5 Euro.
>> www.aaschule.de
>> www.anjarohlf.de
Montag, 08. Januar 2007 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
Von der Laufmasche zum Kunstwerk

Greven - Was im allgemeinen Frauenbeine schmückt und schöner macht,
das hat Elisabeth Mihan aus Bautzen zu Kunst gemacht. Ausgangsmaterial
für ihre Textilbilder sind nämlich Seidenstrümpfe. Und was sie aus dem
Kunstgewerbe macht, das ist schon wirklich schöne Kunst. Davon kann man
sich im Atelier "Alte Schule" in Aldrup (neben dem Restaurant "Zum Aatal") überzeugen.
Kompositionen
Ausstellungseröffnung für Mihans Textilkunst war am Samstagnachmittag.
Über 30 Besucher hatten sich eingefunden, um sich die wohl einmaligen
Seidenstrumpf-Kompositionen anzuschauen. Gekonnte Gitarrenmusik der
preisgekrönten Musikerin Tania Pentcheva stimmte auf die leichte und
filigrane Kunst ein. Die Kunsthistorikerin Anja Rohlf, Cousine der nicht
anwesenden Künstlerin, gab eine Einführung in die Arbeit Elisabeth Mihans,
die 1960 in Bauzen geboren wurde. Sie entwickelte bereits während ihrer
Ausbildung zur Paramentikerin - die alles herstellt, was in Kirche und
Gottesdienst an Schmuck benötigt wird - ein besonderes Gespür für textile
Materialien. Als sie 1982 mit einem Freund zusammensaß, spielte sie an den
Laufmaschen ihrer Nylonstrumpfhose herum. Was den Freund veranlasste, sie
darauf hinzuweisen, dass solche Strümpfe in der DDR schwer zu bekommen seien.
Aber die Laufmaschen hatten bei der jungen Frau Assoziationen hervorgerufen,
die sie veranlassten, ihr erstes Textilbild zu entwerfen. Die Idee von
der Kunst aus Seidenstrümpfen war geboren, und ließ sie nicht mehr los.
Mit einer Sensibilität für besondere Lebensmomente und Stimmungen schafft sie
seither mit viel Geduld und Ausdauer einzigartige Kunstwerke und neue
Wirklichkeiten. Mihans Bilder, die sowohl konkret als auch abstrakt
sein können, wirken immer meditativ auf den Betrachter und strahlen
eine besondere Ruhe aus. Das Beste ist aber, sich die Bilder einfach
selber anzuschauen. - jp
Die Öffnungszeiten - des Ateliers "Alte Schule" sind: montags
von 14 bis 21 Uhr, dienstags von 10 bis 16 Uhr, mittwochs von
10 bis 18 Uhr und außerdem donnerstags von 14 bis 18 Uhr.
Dienstag, 09. Januar 2007 | Quelle: Grevener Zeitung (Greven)
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